Casa Italia, Triennale di Milano. Der Salone d’Onore empfängt nationale und internationale Gäste in einer von der Berglandschaft inspirierten Atmosphäre.
September 2026
Casa Italia während Milano Cortina 2026
Das dezentrale Projekt des Hospitality House vergegenwärtigt Italien, indem es von der Kultur des Wohnens, der Gastfreundschaft und der Begegnung erzählt.
Bei Edra gehört das Wort „Event“ nicht unbedingt zu den beliebtesten Begriffen. Vielleicht, weil es sich im Laufe der Jahre abgenutzt hat und mittlerweile wahllos für Einweihungen, Präsentationen, Produktlaunches und jede Form von Treffen herangezogen wird. Und doch ist ein Event in seiner tiefsten Bedeutung nicht einfach nur etwas, das geschieht: Es ist etwas, das Spuren hinterlässt. Es fällt nicht mit dem bloßen Ereignis an sich zusammen, sondern lebt von der Fähigkeit, Beziehungen, Erfahrungen und Erinnerungen hervorzubringen.
Aus genau dieser Perspektive lässt sich die Edition der XXV. Olympischen Winterspiele von Milano Cortina 2026 betrachten. Die Olympia-Spiele, eines der weltweit mitreißendsten Spektakel überhaupt, erhielten in diesem Fall eine ganz besondere Bedeutung, da sie in unserem Land stattfanden. Diese Ausgabe markierte – zwanzig Jahre später – die Rückkehr der Spiele nach Italien, und das mit einer neuen Intensität, die zum ersten Mal an eine dezentrale Präsenz gekoppelt war und so ganz unterschiedliche Realitäten, Orte und Landschaften einbinden und zum Leben erwecken konnte.
Es war eine Intensität, die sich in vielfältigen Formen manifestierte und verschiedene Momente, Räume und Maßstäbe berührte: Sie durchzog das Land, indem sie vertraute Landschaften in einem neuen Licht deutete und miteinander in Beziehung setzte; sie war im athletischen Gestus spürbar, als das Publikum den Atem anhielt und der Körper sich bis an die Grenze spannte, um zur reinen Flugbahn im Raum zu werden; und dann, wie im Flug, fiel die Anspannung ab: Sobald der Athlet die Arena verließ, trat er in einen Raum, der von einer ganz neuen Energie widerhallte – entfacht durch die Begegnung verschiedener Künste und Disziplinen. Dieser Ort ist Casa Italia, das pulsierende Herz der Olympischen Spiele von Milano Cortina 2026.
1984 als „Hospitality House“ des Italia Teams ins Leben gerufen, um nationale und internationale Athleten sowie Gäste zu empfangen, hat sich Casa Italia auf Wunsch des CONI (Italienisches Olympiakomitee) seit 2016 zu einem echten Kulturmedium entwickelt. Es ist zu einer Plattform geworden, die die Exzellenz unseres Landes nicht mehr nur über den Sport vermittelt, sondern auch Design, Kunst und die gehobene Küche einbezieht – ein integriertes System zur Entfaltung menschlicher und kultureller Werte.
Diese Vision, die Casa Italia in eine Art temporäre Kultur-Botschaft verwandelt hat, zog Edra von Anfang an in ihren Bann: von Rio de Janeiro 2016 über Pyeongchang 2018, Tokio 2020 und Paris 2024 bis hin zum Meilenstein Milano Cortina 2026. „In einer Welt, die dem Design scheinbar so fern ist“, betonte Silvana Annicchiarico, „hat Edra sofort verstanden, dass der Sport eine extrem enge Verbindung zum Wohnen hat. Denn beide Sphären reflektieren die Beziehung des Körpers innerhalb des Raumes. Während der Sport den Körper in Bewegung bringt, ihn anstrengt und zu Hochleistungen herausfordert, schenkt das Wohnen ihm Verharren und Ruhe. Mit dem Einzug in die Casa Italia hat Edra ein Licht entzündet und jenes wunderbare Wechselspiel zwischen Sport und Einrichtung initiiert.“
Es ist ein präzises Bild: eine Spannung, die sich nicht aufhebt, sondern transformiert.
Bei Milano Cortina 2026 betraf das Thema der Beziehung nicht nur Menschen, sondern vor allem Orte. Für diese Ausgabe der Spiele war Casa Italia als ein komplexes System von Räumen zwischen Mailand, Cortina d’Ampezzo und Livigno konzipiert, das eine Geografie aus Landschaften, Rhythmen und einzigartigen Atmosphären veranschaulichte. Drei Standorte, die als Variationen ein und derselben Erfahrung fungierten. „Nicht drei verschiedene Häuser“, erklärte Lorenzo Pellicelli, Marketingdirektor des CONI, „sondern ein einziges Haus aus drei verschiedenen Blickwinkeln.“ Mailand bildete das Zentrum der Erzählung: der Ort des Austauschs, der Panels, der Begegnungen mit Partnern und Stakeholdern. Hier nahm Casa Italia eine explizit kulturelle und institutionelle Dimension an. Cortina verkörperte die Exzellenz der Gastfreundschaft: ein privaterer, intimerer Raum, direkt mit der alpinen Landschaft verbunden, in dem das Thema des Willkommens seine unmittelbarste Form fand. Livigno wiederum brachte eine ganz andere, junge und dynamische Energie ein – als ein offener, lebendiger Ort der Begegnung, an dem der Sport auf die Fans traf und das Erlebnis einen ungezwungenen, gemeinschaftlichen Charakter annahm. Drei Seelen, die drei Arten entsprachen, dasselbe Event zu erleben: Repräsentation, Gastfreundschaft, Teilhabe.
Verbunden wurden die drei Standorte durch das visuelle Konzept von Casa Italia 2026: Musa. Wie bei jeder Ausgabe entsprang die Wahl des Themas nicht nur einer gestalterischen, sondern vor allem einer erzählerischen Leitidee. Beatrice Bertini, Kuratorin der Casa Italia, erklärt: „Dieses Mal entstand das Projekt aus dem Wunsch heraus, den Blickwinkel umzukehren: Wir wollten die italienische Identität nicht direkt inszenieren, sondern sie durch den Blick der anderen entstehen lassen.“ Die Ausstellung Musa, die in der Triennale di Milano und in Teilen in Cortina zu sehen war, brachte Werke internationaler Künstler zusammen, die in Italien eine Quelle der Inspiration gefunden haben. „Wir sind es nicht selbst, die sagen, dass wir ein außergewöhnliches Land sind“, so die Kuratorin, „wir lassen es von all jenen erzählen, deren Blick schon seit Jahrhunderten voller Bewunderung auf Italien als Muse weilt.“ Der Bezug zur klassischen Grand Tour erhielt so eine präzise Bedeutung: Italien als Raum der Reise und Entdeckung und der fortwährenden Inspiration. In diesem Sinne war Musa eine umfassende Reflexion darüber, was unterschiedliche Sprachen, Disziplinen und Sensibilitäten durch eine ebenso anspruchsvolle wie evokative Struktur zusammenhält. Der Parcours gliederte sich in neun Sektionen, von denen jede einer Muse der klassischen Tradition gewidmet war: von Kalliope für das Wort über Klio für Geschichte und Architektur bis hin zu Erato für den Liebesgesang und Euterpe für die Musik. Ein symbolisches System, das als Schlüssel diente, um die Fähigkeit Italiens zu lesen, durch verschiedene Kulturformen Imagination, Wissen, Forschung und Innovation zu generieren. In dieser Lesart erschien die Synthese von Kunst und Sport völlig natürlich. „Was Künstler und Athleten eint“, so Bertini, „ist vor allem das gemeinsame Streben nach einer Geste, mit der man über sich selbst hinauswächst und nach Exzellenz strebt. Das ist eine Dynamik, die den Sport betrifft, aber eben auch die Kunst, das Design, das Projekt. Es zählt nicht nur das Endprodukt, sondern der Forschungsprozess – eine kontinuierliche Herausforderung, die Möglichkeiten und Ausdrucksweisen neu definiert.“ In genau diesem Sinne sah auch Pierre de Coubertin eine tiefe Verwandtschaft zwischen sportlicher und künstlerischer Praxis: Beide werden vom selben Impuls angetrieben, von derselben experimentellen und transformativen Haltung.
Innerhalb dieses dezentralen Systems spielte das Interior Design der Casa Italia eine entscheidende Rolle, um Kontinuität zwischen den drei Standorten zu schaffen und gleichzeitig deren Unterschiede zu betonen. Bianca Patroni Griffi, die als Architektin das Interior-Projekt kuratierte, berichtet: „Der Ausgangspunkt war die Suche nach einem Bild, das die Erzählung zusammenhalten konnte: die Berge. Nicht nur als Landschaft, sondern als Atmosphäre. Auf der einen Seite steht die greifbare Bergwelt – geprägt von Fels, Holz, mineralischen Oberflächen, Reflexionen und Licht –, auf der anderen Seite die Intimität geborgener Innenräume, die eine warme, einladende und fast beschützende Atmosphäre ausstrahlen.“ Diesem dualen Ansatz folgend, wurde das Projekt an den drei Orten jeweils spezifisch umgesetzt. In Mailand, im Rahmen der Triennale, wurde die Landschaft abstrakter und zeitgenössischer interpretiert: Die Möbel schufen eine evokative Geografie, in der Sofas und Texturen an Felsen, Marmor und geologische Schichtungen erinnerten. In Cortina wurde die Erzählung intimer: Warme Farben, natürliche Materialien und Töne, die an Erde und Holz erinnerten, vermittelten das Gefühl eines einladenden, behaglichen Chalets. In Livigno wurde dieselbe Bildwelt freier und dynamischer interpretiert – mit Anklängen an die Sechziger- und Siebzigerjahre und einer spielerischen Note, passend zum jungen, partizipativen Charakter des Standorts.
Die Möbel von Edra trugen maßgeblich dazu bei, die tiefere Bedeutung der Räume zu definieren. Sie wurden ausgewählt, weil sie in der Lage sind, eine emotionale Beziehung zu demjenigen aufzubauen, der sie berührt: Sie sind keine bloßen Gebrauchsgegenstände, sondern Elemente, die Landschaften suggerieren und formen. In dieser Richtung fand das Projekt seine Kohärenz: in der Möglichkeit, Materie und Erzählung eins werden zu lassen. Die zerklüfteten Formen der Sofas, die haptischen Oberflächen, die glänzenden Stoffe und reflektierenden Materialien machten die Möbel zu einem integralen Bestandteil der Gesamterfahrung. Sie hielten Einzug in das Projekt, nicht nur um eine Funktion zu erfüllen, sondern als Ideen, die Intellekt und Sinne gleichermaßen ansprachen und so zu einem wesentlichen Bestandteil der Casa Italia wurden.
Ein markantes Element durchzog alle Standorte wie ein roter Faden: der Sessel Grinza White der Gebrüder Campana. Gewidmet Milano Cortina 2026, interpretierte diese Sonderversion des historischen Sessels aus weichem, flauschigem, weißem Öko-Pelz den Schnee nicht nur als visuelles Bild, sondern als Zustand. Sie spiegelte jene wattierte, schwebende Atmosphäre wider, in der Geräusche gedämpft werden und die Zeit zu verlangsamen scheint.
Im Laufe der Jahre hat sich Casa Italia gewandelt: vom reinen Repräsentationsraum zur Kulturplattform, vom Solitär zum dezentralen Netzwerk. Es ist ein intensiver Weg, dessen Komplexität das Ergebnis eines Prozesses ist, in den sich Edra weit über eine klassische Projektpartnerschaft hinaus eingebracht hat. Lorenzo Pellicelli bringt es auf den Punkt: „Es handelt sich um eine über Jahre gewachsene Beziehung, die auf einer gemeinsamen Vision basiert. Seit 2016 ist es das Ziel von Casa Italia, Italien jenseits des Sports zu erzählen und all seine Spitzenleistungen miteinander zu verknüpfen. Hier hat Edra ihren ganz natürlichen Raum gefunden. Sie hat geholfen, die Ästhetik der Räume zu prägen und gleichzeitig einen tiefen Wert zu vermitteln. Die Möbel haben das Projekt nicht einfach nur begleitet, sie sind zu einem Teil davon geworden und in das Leben der Räume übergegangen. Einige Elemente sind im Laufe der Zeit für die Athleten zu echten Wiedererkennungsmerkmalen geworden, fast vertraut. Casa Italia ist für sie ein Ziel. Es ist der Moment, in dem sie sich wie zu Hause fühlen. Casa Italia war nicht nur ein gebauter Raum, sondern ein zutiefst gelebter Ort: ein Ort, an dem sich Erfahrung sedimentiert und in bleibende Erinnerung verwandelt hat.





