September 2024
Villa Petriolo
Zeitgenössische Renaissance nach dem historischen Modell der regenerativen Landwirtschaft
Im Interview mit Alessandra Lanza in der Ausgabe vom 3. März 2017 von Abitare sagte Andrea Branzi: „Heute gibt es keinen großen Unterschied mehr zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es gibt eine ziemlich zirkuläre, fließende Zeit, weshalb vielleicht nicht unbedingt Erinnerungen aber sicherlich Impulse, die auch aus fernen Zeiten stammen, übrig bleiben“. Eine perfekte Prämisse, um die einzigartige Geschichte der Villa Petriolo zu erzählen.
Ein Blick auf die Ursprünge, um sich eine bessere Zukunft vorzustellen. Mit dieser Philosophie haben Daniele Nannetti und seine weitsichtigen Partner, das mexikanische Ehepaar Maria Elena und Hector Cuadra, einen Ort zum Leben erweckt, der für die Gastfreundschaft bestimmt ist und in dem sich die jahrhundertlange Geschichte widerspiegelt. Das weitläufige Anwesen in der toskanischen Landschaft, in Cerreto Guidi, unweit von Florenz, ist ein Villen-Bauernhof-System, das seinen Ursprung im 16. Jahrhundert hat. „Als wir die Villa entdeckten, die sich in einem baufälligen Zustand befand, wurde uns klar, wie wichtig es ist, die Gründe für ihre Entstehung wiederzuentdecken", sagt Geschäftsführer Daniele Nannetti: „Die vergangenen Jahrhunderte waren eine Zeit, in der es ein hohes Maß an Wissen und Erfahrung im Bereich der Landwirtschaft und des nachhaltigen Lebens gab. Eine zeitgenössische Renaissance nach dem Vorbild der regenerativen Landwirtschaft war genau das, was wir uns vorgestellt hatten“. Ziel ist es, ein Empfangsmodell zu generieren, das den Besuchern das toskanische Erlebnis in seiner Gesamtheit durch die Geschichte eines Territoriums vorführen kann, zu der nicht nur die künstlerischen Schönheiten, die Dolce Vita und die italienischen Gärten gehören sondern auch die Landwirtschaft, die als wesentlicher Bestandteil des toskanischen Charakters verstanden wird. Eine Operation mit einer wichtigen ökologischen und wirtschaftlichen Bedeutung, aber auch mit einem kritischen historischen Wert, die die Volkskultur befasst und die offizielle „Made in Italy“-Erzählung ergänzt, die normalerweise den Touristen angeboten wird. „Auf Italienisch beinhaltet das Wort Agricoltura (Landwirtschaft) den Begriff Kultur (cultura). Was uns fehlte, war eine Darstellung der Toskana, die den Einfluss der landwirtschaftlichen und bäuerlichen Kultur auf die Entwicklung der Kunst, der Architektur und der Ernährung neu bewertet. Wenn es einen Michelangelo und einen Leonardo da Vinci gegeben hat, dann deshalb, weil Generationen von guten Bauern durch eine liebevolle und ausgewogene Beziehung zur Natur so viel zu geben und zu nehmen wussten, wie es für das Blühen dieses Landes nötig war. Die Renaissance war auch dank des wirtschaftlichen Überschusses möglich, der durch eine sehr wichtige und kultivierte Bewirtschaftung des Landes erzielt werden konnte, die nicht nur aus der Liebe zum Produkt, sondern auch aus der Schönheit und dem menschlichen Abdruck in der Landschaft entstanden ist. Wenn die Toskana heute für ihre Landschaften weltberühmt ist, dann deshalb, weil die Bauern, die keine Ausbildung hatten (zumindest so, wie wir sie heute verstehen), vor sechshundert Jahren von einem tief verwurzelten Sinn für Ästhetik bewegt waren und verstanden, dass die biologische Vielfalt nicht nur gut für das Produkt, sondern auch für die Augen des Betrachters ist. Deshalb haben wir versucht, ein 100% toskanisches Projekt zu schaffen, das alles zusammenhält: vom Bauernhaus über die wiedergefundenen Fresken bis hin zu den Kunstgegenständen und der Einrichtung. Es soll die Bedeutung dieser Botschaft vermitteln, die von Nachhaltigkeit und Respekt für die Kultur und die Gemeinschaft, zu der wir gehören, spricht“.
Die Entscheidung, einige Räume des Gebäudes mit Edra auszustatten, trägt diesem Grundsatz Rechnung. Sie bekräftigt den Wunsch, mit der Darstellung der toskanischen Exzellenz, die man in vielen Bereichen findet, fortzufahren und nicht nur die Nachhaltigkeit als die Fähigkeit der Selbsterhaltung zu betrachten sondern sie auch fortbestehen zu lassen. Die Sofas On the Rocks von Francesco Binfaré empfangen die Gäste in der Eingangshalle der Hauptvilla und in der Lounge im ersten Stock des renovierten Bauernhauses in der Nähe des Wellnessbereichs, zusammen mit dem Sessel Margherita und den Couchtischen Cicladi von Jacopo Foggini.
Der kurioseste Aspekt der Geschichte der Villa Petriolo? Das Geheimnis, um diesen Traum verwirklichen zu können war - aus Sicht der Gestaltung - im Geschäftsplan einer aufgeklärten und wohlhabenden Familie aus dem 16. Jahrhundert verborgen. Der Villenbauernhof entstand nämlich in den Jahrhunderten, in denen der florentinische Adel, um den ungesunden Bedingungen in der Stadt zu entkommen, mit Verwandten, Freunden und Bekannten Ferien auf dem Lande verbrachte. Da sich diese Leute bewusst waren, dass Villen nicht mehr wie früher Kathedralen in der Wüste sein konnten, die unmöglich zu unterhalten waren, entwickelten sie ein System der Selbsterhaltung. Die neuen Ideen verzichteten nicht auf Schönheit und Luxus, sondern interpretierten sie neu im Sinne der Nachhaltigkeit. Villa Petriolo, die von einem großen landwirtschaftlichen Betrieb umgeben war, produzierte das ganze Jahr über, konnte Hunderte von Menschen beherbergen und hatte dreihundert Bauern, die sich bei der Ankunft der Gäste in Kellner, Köche und Waschfrauen verwandelten, um die Bedürfnisse der Familie zu erfüllen. „Sie hatten einfach eine neue Form der Gastfreundschaft erfunden, offen für Familie und Freunde statt für Touristen, aber nicht mehr als das: ein modernes, nachhaltiges Luxusresort. Was wir heute tun, ist genau das, was sie damals auch taten. Wir nutzen nach wie vor die uralten Praktiken der regenerativen Landwirtschaft und kombinieren sie mit modernster Technologie und exzellenten Dienstleistungen, um hohe Standards für Nachhaltigkeit und Qualität zu erreichen. Das Prinzip ist jedoch identisch. Die historische Forschung ergab sehr genaue Daten darüber, was und in welchen Mengen produziert wurde. Das war unser Ausgangspunkt. Heute produzieren wir Honig, Fleisch, Milch, Getreide und Obst, haben einen botanischen Garten für Heilkräuter, ein Jagdrevier und vieles mehr... Wir sind keine Selbstversorger, aber wir haben ein gutes Angebot und was wir nicht selbst erzeugen können, kaufen wir immer lokal.
Das Anwesen ist von der Oberaufsichtsbehörde für das kulturelle Erbe als Denkmal- und Landschaftsschutzobjekt eingestuft. Es wurde gerettet, restauriert und in seine ursprüngliche Form zurückgebracht: Der wahre Luxus liegt in der Belebung der Sinne, in einem allumfassendes Wellness-Angebot, in der Möglichkeit einer authentischen Erfahrung, die über die Idee eines saisonalen Urlaubsortes hinausgeht. Das 170 Hektar große Anwesen, das reich an Biodiversität ist, besteht aus Wäldern, Weinbergen, Feldern und Viehzucht im Freien. Es setzt sich aus historischen Gebäuden zusammen, die noch ihr künstlerisches Erbe bewahren, wie z. B. Dekorationen, alte Terrakotta- und Steinböden, Decken mit alten Holzbalken oder wiederverwertete Materialien, die beim Wiederaufbau verwendet wurden. Teile der alten Struktur, die nicht in ihrer ursprünglichen Position verbleiben konnten, wurden zu Möbeln oder architektonischen Details recycelt. Alles wurde unter Berücksichtigung des „Genius Loci“ sorgfältig realisiert. Der Luxus der Villa Petriolo hat nichts mit stereotypem Luxus zu tun, sondern vielmehr mit einer Vorstellung von höchster Qualität und der Unwiederholbarkeit des Erlebnisses: 100% toskanisch. Zur Unterkunft stehen elegante Zimmer und Suiten zur Verfügung, die mit allem Komfort ausgestattet sind, jedes mit seinem eigenen Charakter, aber alle in Beziehung zur Natur und zu den Tieren, die in der Nähe lebenaber aber auch ein modernes Spa, in dem die Gäste entspannen können. Man kann auch essen und trinken, selbst wenn man nicht Gast des Hotels ist, und aus dem ausgezeichneten Angebot des Restaurants PS Ristorante, des Bistrot mit Gastronomieangebot Bottega del Petriolo oder der Taverne Osteria Golpaja wählen. Am Tisch wird die Toskana serviert: das ist nicht der Ort, an dem man Champagner oder Prosecco aus Venetien kostet. Das große On the Rocks erzählt von toskanischem Savoir-faire, von der Liebe zur Landschaft und auch von einer neuen Idee von Komfort, die den Formalismus abstreift, um individuellen Genuss zu bieten. „Wir haben uns eine sehr häusliche Umgebung vorgestellt, die auf die Konventionen verzichtet, die oft mit einem Luxus verbunden sind, den man als 'mit weißen Handschuhen' definieren könnte. Wir versuchen, die Distanz zwischen den Menschen abzuschaffen, damit sie sich auf natürliche Weise wohl fühlen. On the Rocks vermittelt dieses Gefühl von Freiheit und Eleganz. Wenn ich mit einem Wort beschreiben müsste, was uns antreibt, würde ich sagen: das Streben nach Gleichgewicht. Nachhaltigkeit ist ein Synonym für Gleichgewicht. Alles basiert auf dem Gleichgewicht: die Gesetze der Thermodynamik, das Universum, wenn wir spazieren gehen, machen wir eine Gleichgewichtsübung, und auch in der Villa Petriolo herrscht ein perfektes Gleichgewicht zwischen den Elementen: Gäste und Personal, Architektur und Natur“.





