SPACES

Ein Wunder im Herzen Roms

Edra Magazine N°1 - Words: Laura Arrighi
  Grande Soffice  &  Flower Collection   Das Sofa von Francesco Binfaré und die Sessel von Masanori Umeda im Hauptsalon, voller “Wunderwerke”.

Eine „geheime“ Residenz, in der sich die Schönheit verbirgt

Camera delle meraviglie o anche camera delle curiosità: Wunderkammer. L'espressione è usata per indicare particolari spazi in cui, dal XVI al XVIII secolo, i collezionisti archiviavano ed esponevano i propri tesori, oggetti straordinari che destavano stupore per le loro caratteristiche o il loro valore. Questa casa nel cuore di Roma non è, e non si considera propriamente, una Wunderkammer, almeno nel significato storico del termine, ma ne acquista i caratteri per le sue peculiarità architettoniche, per gli oggetti che la arredano e per l’attitudine all’abitare della padrona di casa. Il termine acquista così un triplice significato: c’è l’architettura, inserita in un contesto sorprendentemente ricco di storia e di bellezza, ci sono una serie di oggetti naturalia e artificialia che popolano in modo apparentemente casuale e poliedrico le stanze. E poi c’è una nobildonna siciliana in cui convivono due anime, “antica e moderna”, e che ama lasciarsi sorprendere dal caso, in tutti i suoi aspetti. “Nella mia vita - racconta - ho avuto tante case, e tante vite aggiungerei. Io dò alla casa un’identità rispetto al particolare momento della vita che mi lega a lei. Quando sono arrivata a Roma, mi sono portata dietro un bagaglio di esperienze importante. Quando ho salito le scale che portano al giardino sono rimasta senza parole. Mi sono innamorata di questo posto. Io sono innamorata della bellezza. Alla bellezza non ci si abitua mai, ogni giorno, quando arrivo a casa, mi stupisco di quello che trovo davanti agli occhi”.

Wunderkammer oder auch Kammer der Kuriositäten. Der Ausdruck Wunderkammer stammt wird für besondere Räume benutzt, in denen vom 15. bis zum 18. Jahrhundert Sammler ihre Schätze archivierten und ausstellten; außergewöhnliche Objekte, die wegen ihrer Eigenschaften oder ihres Werts Staunen hervorriefen. Dieses Haus im Herzen Roms ist das nicht, und es kann auch nicht wirklich als Wunderkammer gelten, zumindest nicht im historischen Sinn des Begriffs; aber es besitzt dessen Merkmale wegen seiner architektonischen Besonderheit, wegen der Objekte, mit denen es eingerichtet ist, und wegen der Art, mit der die Hausherrin es bewohnt. Der Begriff bekommt so eine dreifache Bedeutung: da ist die Architektur, eingebettet in einen überraschend geschichtsträchtigen Kontext voller Schönheit, da gibt es eine Reihe von Naturalia und Artificialia, die anscheinend rein zufällig und eklektisch die Räume bevölkern. Und dann ist da eine sizilianische Adlige, in der zwei Seelen, „eine antike und eine moderne“ miteinander leben, die sich gerne vom Zufall, in all seinen Facetten, überraschen lässt. “In meinem Leben, hatte ich viele Häuser, -erzählt sie-, und viele Leben, würde ich hinzufügen. Ich gebe meinem Haus eine Identität im Hinblick auf den speziellen Moment meines Lebens, der mich mit ihm verbindet. Als ich in Rom ankam, habe ich ein enormes Gepäck mitgeschleppt. Als ich die Treppe, die zum Garten führt, hinaufging, verschlug es mir die Sprache. Ich habe mich in diesen Ort verliebt. Ich bin in die Schönheit dieses Hauses und der von Rom verliebt. Man gewöhnt sich nie an die Schönheit; jeden Tag, wenn ich nach Hause komme, staune ich darüber, was ich vor meinen Augen sehe. Das Haus wird von einer szenografischen Stimmung bewegt, die beim Besucher ein mitreißendes Staunen auslöst. Wenn man die Stufen hinaufsteigt, findet man sich vor einem italienischen Garten wieder, mit einem Heckenlabyrinth, umgeben von einem Orangenhain, in das wir uns, begleitet vom Klang des Wassers, das in einen Brunnen läuft, hineinwagen. Im Hintergrund dieser grünen Landschaft, die geometrisch von Menschenhand gezeichnet wurde, können wir das Haus erkennen. Noch weiter entfernt hat man einen weiten Blick auf die Stratifikationen Roms, die archäologischen Ruinen und die Monumente, die Zeugen einer jahrhundertealten Geschichte sind. Das Haus, in dem sie zusammen mit zwei quirligen Irish Settern leben, wurde von der Dame, die uns empfängt, und ihrem Mann restauriert. Die Struktur gliedert sich in verschiedene Gebäude, die auf den Garten blicken, der sich wiederum zum Orangenhain hin öffnet. Das bereits bestehende, gebundene Gebäude bewahrt seine Authentizität, ein Resultat zahlreicher Kompromisse: “Ich habe mich der Restaurierung ohne jegliche vorgefasste Urteile gewidmet. Und das Haus hat mich inspiriert. Das Haus gab mir nach und nach die Anregungen für bestimmte Entscheidungen. Ich habe mich ihm gegenüber respektvoll verhalten und habe ihm „zugehört“. Ich habe nichts erzwungen, sondern habe vielmehr den Empfehlungen, die der Ort mir gab, nachgegeben. Es war schwierig, die modernen Annehmlichkeiten und den Komfort mit einer bereits bestehenden, antiken Struktur in Einklang zu bringen, und sie technologisch werden zu lassen. Es gibt viele, äußerst innovative Elemente, zum Beispiel die professionelle Küche, die auf den Garten hinausgeht, da ich sehr gerne koche und viel in diesem Raum lebe. Was den Stil anbelangt, so liebe ich die Vereinigung von Antikem und Modernem. Ich denke, ein Gleichgewicht der beiden Dimensionen erreicht zu haben und dass dies die Schönheit dieses Hauses noch verstärkt hat. Außerdem passen schöne Dinge einfach immer gut zusammen, unabhängig von der Epoche. Ich denke, dass meine doppelte Seele, ein wenig antik und ein wenig modern, und die Liebe zu schönen Dingen eine Harmonie in den Produkten Edras finden. Sie besitzen eine zeitlose Schönheit, die Altes und Neues amalgamieren, und das ist genau das, was ich in meinem Haus versucht habe, zu ‚realisieren‘.“

Ich habe mich in diesen Ort verliebt. Ich bin in die Schönheit dieses Hauses und der von Rom verliebt. Man gewöhnt sich nie an die Schönheit; jeden Tag, wenn ich nach Hause komme, staune ich darüber, was ich vor meinen Augen sehe.

Die Entdeckung der Wunder geht durch die Landschaft, durch überraschende, architektonische Lösungen, die versteckte Ecken, geheime Winkel, Wasserspiegel, immer wieder neue innere und äußere Perspektiven enthüllen, aber auch über die Wahl der Einrichtungsgegenstände. Wenn man eintritt, staunt man noch mehr aufgrund der Vielzahl von Objekten, Souvenirs und Pflanzen. “Für die Einrichtung habe ich benutzt, was ich ist den Jahren geerbt habe und was ich mitnehmen wollte, Reiseandenken, Bilderrahmen und eine Unzahl an Zimmerpflanzen, von überall her. Ich bin verrückt nach der Natur. Es ging mir nicht so sehr um die Ästhetik, als um die Zweckmäßigkeit. Die Küche war klein, also vergrößerte ich sie, mit einem Esstisch, um Freunde zu empfangen. Die Arbeitsfläche und die Kochplatte bleiben versteckt, während der Essbereich großzügig und einladend für mehrere Personen wird. Angrenzend gibt es ein formaleres Esszimmer.

Neben dem Kochen liebe ich es, an schön gedeckten Tischen zu essen. Und ich kümmere mich um die Dekoration, wähle, immer wieder abwechselnd, die Teller aus, stelle Kerzen und Blumen auf den Tisch. Ich kümmere mich um seine Ästhetik. Das Haus ist für mich ein Ort zum Leben, und ich denke, das fühlt man”. Das Thema der Wunderkammer offenbart sich: das Haus ist fast ein geheimer Ort, der wie ein Schatz entdeckt werden muss. “Von außen sieht man nichts. Deshalb sorge ich mich noch mehr darum. Es hat mir von Anfang an gefallen. Und je mehr Zeit vergeht, desto mehr wächst dieses Gefühl. Ich bin immer mehr in dieses Haus verliebt. Es ist etwas Besonderes, es ist ein Landhaus inmitten der Stadt.” Es scheint, dass die Grandezza und architektonische Komplexität Roms sich irgendwie in diesem häuslichen, privaten Ort reflektieren. “Ich liebe die Schönheit Roms, und die Tatsache, dass man von überall plötzlich spektakuläre Blicke, wie auf das Pantheon, erhascht. Beim Streifzug durch die Stadt erlebt man eine ständige Suche nach der Schönheit. Rein emotional gibt mir das Leben in einer Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist, Gelassenheit. Wenn ich nach Sizilien zurückkehre, habe ich zu viele starke Emotionen, ich sehe die Veränderungen in den Personen und Städten, und es kommen viele Erinnerungen wieder hoch, zusammen mit ein wenig Melancholie. Da ich in Rom nicht so emotional verwickelt bin, kann ich hier mit mehr Leichtigkeit und vielleicht mit etwas mehr Abstand, aber dabei dennoch in vollen Zügen seine Schönheit genießend, leben”.



Laura Arrighi

Architektin, Forschungsdoktorat, Webwriter und Freelance Editor. Sie beschäftigt sich vorwiegend mit Interieur, Design und Mode, mit einem besonderen Interesse für das Phänomen der Hybriden der verschiedenen Bereiche. Sie widmet sich: dem Schreiben, der Recherche, Didaktik, und arbeitet mit verschiedenen Institutionen und einigen bedeutenden, italienischen Architekturstudios zusammen.

Photo: Pietro Savorelli


 

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